Grundsätze zum Aufbau von Schulprogrammen:
Internationale Begegnungen


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Austauschprogramme als Teil des Schulprofils

Ebenso wie Schulfahrten, - wanderungen und -exkursionen kann auch ein Programm Internationaler Begegnungen einen wesentlichen Beitrag zur Bildungs- und Erziehungsarbeit einer Schule im Rahmen ihres Schulprogramms leisten.

Gerade in der heutigen Zeit internationaler Verflechtungen ist es ein wichtiges Erziehungs- und Bildungsziel von Schulen, ihre Schülerschaft frühzeitig auf internationale Kontakte und internationales Miteinander vorzubereiten.

Austauschprogramme leisten dazu unumstritten einen wichtigen Beitrag, der es Schülern ermöglicht, diese Kontakte und ein multikulturelles Miteinander nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu erlernen.

Ein solches Schulprogamm Internationaler Begegnungen bedarf einiger grundsätzlicher Überlegungen, die die Einbindung der Austauschprogramme ins Schulleben sinnvoll gestalten und die auftretenden organisatorischen Belastungen überschaubar und dem Nutzen der Austauschprogramme entsprechend vertretbar machen. Deshalb sollte Klarheit über unterschiedliche Zielschwerpunkte und Formen von Austauschprogrammen und ihre mögliche Einbindung in den Schulalltag hergestellt werden:

Austauschprogramme sind grundsätzlich alle von der Schule veranstalteten, begleiteten und in den Kontext von Unterricht und Erziehung eingebetteten Veranstaltungen, bei denen SchülerInnen die Möglichkeit zur Begegnung mit fremden Völkern und Kulturen gegeben wird.
Dabei sind verschiedene Zielschwerpunkte zu unterscheiden, da sie unterschiedliche Gestaltungsformen und Teilnehmer- kreise mit sich bringen und unterschiedliche Möglichkeiten und Erfordernisse bei der Einbettung ins Schulleben zur Folge haben.


Typ 1: Internationale Begegnungen

Begegnung mit anderen Völkern und Kulturen mit dem Ziel, Kenntnisse von anderen und Verständnis für andere Lebensweisen und Traditionen zu gewinnen (Erziehung zu multikultureller Toleranzfähigkeit - Völkerverständigung). (fächer-,klassen-,jahrgangsstufenübergreifend)
Hierunter fallen alle Austauschprogramme, die nicht direkt einem Unterrichtsbereich oder einem einzelnen Unterrichtsfach der Schule z.B. den Fremdsprachen zugeordnet werden können, sondern eher allgemeiner, kultureller Art sind.
Denkbar sind in diesem Zusammenhang aber auch Austauschprogramme und Schulpartnerschaften mit humanitären und multikulturellen Zielsetzungen z.B. mit Ländern des ehemaligen Ostblocks oder Entwicklungsländern.


Typ 2: Sprach+Zivilisations-Austausch

Begegnung mit anderen Völkern und Kulturen mit dem Ziel einer zivilisatorisch vertieften Fremdsprachenkenntnis. (klassen- und jahrgangsstufenübergreifend)
Hierunter fallen alle Austauschprogramme, an denen Schülerinnen und Schüler teilnehmen können, die bereits Grundlagen derjenigen Fremdsprache erworben haben, die Muttersprache des Ziellandes ist.
Wünschenswert wäre der Aufbau von solchen Austauschmaßnahmen und Schulpartnerschaften, die eine Begleitung und Vertiefung des Erwerbs der an der Schule unterrichteten modernen Fremdsprachen ermöglichen.


Typ 3: Spracherwerbs-Austausch

Begegnung mit anderen Völkern und Kulturen mit dem Ziel des Spracherwerbs der zu erlernenden Fremdsprache im muttersprachlichen Zielraum, das heißt in einer Real-Situation. (in der Regel im Klassenverband der mit der Sprachenwahl gebildeten Klassen ab Jgst. 7)
Zu dieser Gruppe gehören solche Austauschprogramme, deren Schwerpunkt auf der Organisation von Begegnungen im Schul- und Familienleben liegt, und bei denen Spracherwerb im muttersprachlichen Lebensumfeld der Fremdsprachen z.B. Englisch/Französisch er- folgen soll.

Diese drei Haupttypen von Austauschprogrammen sind nicht immer scharf voneinander zu trennen. Es kommt natürlich auch bei z.B. Internationalen Begegnungen des Typs 1 gegebenenfalls zu Spracherwerbsfortschritten; auch bei Typ 3 kommt es zu erlebten und erfahrenen Kenntniserweiterungen im Bereich der Zivilisation. Trotzdem ist eine Unterscheidung nach Zielschwerpunkten bei Austauschprogrammen erforderlich, um Grundsätze für die Auswahl der TeilnehmerInnen und die Schulorganisation festlegen zu können.


Internationale Begegnungen
Austauschprogramme mit Schwerpunkt des Zielbereichs 1:

Begegnungen mit SchülerInnen anderer Länder, auch solcher, deren Sprache nicht unterricht wird, z.B. Begegnungen mit SchülerInnen aus den ehemaligen Ostblockländern, aus sogenannten "Entwicklungsländern" usw.: In diesem Falle liegt der Schwerpunkt auf dem Kennenlernen anderer Kulturen und Lebensformen. Eine Anbindung an eine unterrichtliche Vorbereitung ist gerade hier für die Vor- und Nachbereitung der Austauschprogramme wichtig, damit kein reiner "Jugendtourismus" entsteht. Es bieten sich hierfür unterschiedliche Fachbereiche an. Probleme bei Austauschprogrammen dieses Schwerpunkts liegen in den oft nicht unerheblichen Schwierigkeiten bei der Einbindung in die Unterrichtsorganisation und der Festlegung von Auswahlkriterien für die Teilnahme.

Es muss sichergestellt werden, dass solche Austauschprogramme durch Gruppenvorbereitung entweder im Unterricht (durch Anbindung an ein Fach) oder neben dem Unterricht (zusätzliche verbindliche Veranstaltungen) für die Schülerinnen und Schüler sinnvoll vor- und nachbereitet werden.
Hinsichtlich der Teilnahmekriterien sollte die Leistungssituation der Schüler/innen berücksichtigt werden, wenn sie durch die Teilnahme am Austauschprogramm Unterricht versäumen. Selbständiges Nacharbeiten von Stoff und Nachschreiben verpasster Arbeiten müssen den Teilnehmern zuzumuten sein.
Die als zumutbar anzusehenden Fehlzeiten durch die Teilnahme an solchen Austauschprogrammen sollten pro Schulhalbjahr und Teilnehmer auf einen Orientierungswert festgelegt werden. Es kann hierbei auch sinnvoll sein, Ferienzeiträume für die Auslandsfahrt der deutschen Teilnehmer zu nutzen(z.B.: Osterferien, Herbstferien).
Individuelle Ausnahmen (z.B. Teilnahme an mehreren Maßnahmen in einen Schulhalbjahr für einzelne Schüler/innen) sollten in Klassen/Jahrgangsstufenkonferenzen beschlossen werden können (z.B. bei besonders leistungsstarken Schüler/innen, denen kein Lerneinbruch droht, vgl. auch Halbjahresaustausch in 11.1).

Die Festlegung von Fahrtterminen solcher Austauschprogramme muss Teil des Schuljahresplans und frühzeitig für alle Betroffenen überschaubar sein, damit soweit möglich eine Berücksichtigung der Fahrttermine im Rahmen der normalen Aufgaben des Schullebens erfolgen kann. Eine "Rückmeldung" gemachter Erfahrungen an die Schulöffentlichkeit ist sehr wünschenswert, da sie zu einer Verstärkung der völkerverständigenden Ziele solcher Austauschprogramme beiträgt.


Sprach+Zivilisations-Austausch
Austauschprogramme mit Schwerpunkt des Zielbereichs 2:

Hierunter fallen alle Austauschprogramme mit Schülergruppen, durch die eine vertiefte Kulturkenntnis jener Sprach- und Lebensräume erworben werden soll, deren Sprache im Fremdsprachenunterricht vermittelt wird. Zu denken ist hierbei an solche Austauschprogramme, durch die SchülerInnen Begegnungen mit Land und Leuten des englisch-sprachigen Kulturraums (GB,USA,Canada u.a. Länder mit Muttersprache Englisch) und des französisch-sprachigen Kulturraums (F, DOM-TOMs, Canada, Benelux, frz.Schweiz) erfahren können. Bei diesen Austauschprogrammen sollte ein gewisses Sprachvermögen (das durch die Organisatoren der Programme näher bestimmt wird) bereits erreicht sein, da der Schwerpunkt der Begegnung im zivilisatorischen Erwerb liegen sollte(v.a. ab 3/4. Lehrjahr und in der Oberstufe).
Auch diese Austauschprogramme bedürfen einer (wohl zum Teil außerhalb des normalen Unterrichts erfolgenden) Vor- und Nachbereitung durch die Austauschbegleitenden.

Auch bei diesen Austauschprogrammen entstehen, da oft keine Kurs- bzw. Klassenanbindung der Teilnehmer besteht, z.T. erhebliche Belastungen der Schulorganisation. Klassenarbeitstermine bzw. Kursarbeitstermine können nur dann in Rücksichtnahme auf solche Maßnahmen festgelegt werden, wenn die Planungen solcher Fahrten Teil der Schuljahresplanung und allgemein bekannt sind. Auch hier muss bei den Teilnahme-Kriterien die Fähigkeit der teilnehmenden Schüler und Schülerinnen, selbständig Stoff nachzuarbeiten und Klassenarbeiten / Kursarbeiten über die Zahl der üblicherweise anzusetzenden Arbeiten hinaus nachzuschreiben, ein wichtiger Aspekt sein.
Auch bei diesen Maßnahmen ist eine öffentliche "Rückmeldung" der Erfahrungen wünschenswert, um allen SchülerInnen, die die betreffende Fremdsprache erwerben einen Zugang zu den gewonnenen Zivilisations(er)kenntnissen zu ermöglichen. (z.B. Bericht in Schülerzeitung, Ausstellung u.ä.)


Spracherwerbsaustausch
Austauschprogramme mit Schwerpunkt des Zielbereichs 3:

In diesem Zusammenhang sind Austauschprogramme zu sehen, durch die den SchülerInnen die Möglichkeit gegeben wird, durch Leben im Sprachraum der Erwerbssprache einen wichtigen Teil des Spracherwerbs in der echten Lebens-/Kommunikationssituation zu erfahren und vorhandene Kenntnisse zu vertiefen. Bei einem solchen Austauschprogramm in einer frühen Phase des Sprach-Erwerbs muss das Sprechen/Erleben/Leben im Sprachraum in der Alltagssprache im Vordergrund stehen und daher ein hoher Anteil des Austauschs in den für SchülerInnen bekannten Räumen "Familie + Schule" stattfinden.
Nach einem Einstiegskontakt mit der Fremdsprache , der elementare Kommunikation erlaubt, findet bei einem solchen Austausch Lernen durch Erleben statt. Die Notwendigkeit, in den Familien und in der Schule mit Muttersprachlern zu kommunizieren ist dabei von großem Gewicht. (zu denken ist hierbei an Austauschprogramme im/ab dem 2.Lehrjahr in der Fremdsprache).

Solche Austauschprogramme müssten, da sie Teil der Spracher- werbsphase sind, möglichst allen SchülerInnen, die diese Fremdsprache erlernen, zugänglich gemacht werden. Ihre Vor- und Nachbereitung, ebenso wie der innerhalb der Austauschprogramme stattfindende Unterricht, wären Teil des normalen Unterrichts.

Am besten lässt sich dies in Klassenverbänden, die entlang der Fremdsprachenwahl und entlang dem geäußerten Wunsch/ der geäußerten Bereitschaft, an einer solchen Maßnahme teilzu-nehmen, gebildet werden (z.B. für Jgst. 7/Französisch + Austauschbereitschaft). Eine solche Organisation im Klassenverband stellt auch sicher, dass nicht allein soziale bzw. finanzielle Gründe ausschlaggebend für eine Nichtteilnahme an der Maßnahme werden. (Da die Maßnahme Teil des normalen Spracherwerbsunterrichts ist, übernimmt im Falle sozialer Bedürftigkeit das Sozialamt auf Antrag die/einen Teil der Kosten).
Ebenso kann nur in solchen Klassenverbänden in relativ reibungsloser Weise fachübergreifender Partner-Unterricht für die SchülerInnen innerhalb des Austauschprogramms und über die eigentliche Fahrt hinaus organisiert werden (Projektorientierte Vor- und Nachbereitung der Begegnung).
Die frühe Entscheidung für die Zuordnung zur "Austauschklasse" bedeutet dabei in der Regel eine verlängerte Vorbereitungszeit für alle Beteiligten, ist aber nicht als hermetisch geschlossen zu sehen, da in besonderen Fällen auch Rücktritte von der Teilnahme bzw. Hinzuziehen von Schülerinnen und Schülern aus einer parallelen Klasse möglich und z.T. aus organisatorischen Gründen nötig sein können.


Beim Aufbau eines Schulprogramms Internationaler Begegnungen sollten bei der Zustimmung zu Austauschmaßnahmen als festem Bestandteil des Schulprofils (nach einer Versuchs- und Erfahrungsphase) diese Grundsätze berücksichtigt werden, wenn entschieden werden muss über:
  • Zeitpunkt der Austauschprogramme (in der Schulzeit? - in Ferienzeiten?)
  • Dauer der Austauschprogramme
  • Kriterien für die Teilnehmerauswahl
  • Anzahl der Austauschprogramme, die Schüler mitmachen können.